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Agile Führung braucht Neue Autorität

Agile Führung bedeutet mehr Selbstorganisation

Selbstorganisation kann jedoch nur unter bestimmten Rahmenbedingungen zu Ergebnissen führen und damit Ziele erreichen. Andernfalls verkommt Selbstorganisation zu einer gruppendynamischen Selbsterfahrung. Das ist keine Kernaufgabe von Unternehmen, nicht finanzierbar und führt auf menschlicher Ebene häufig zu Verletzungen und Frustrationen. 

Für die Gestaltung von Rahmenbedingungen braucht es nach wie vor Führung. Jedoch mit einer anderen Haltung zu Autorität. 

Selbstorganisation wird in unserer Gesellschaft (auch weiterhin noch) nicht gelehrt noch zugelassen. Im Gegenteil: unser gesamtes Bildungssystem ist im Kern immer noch auf Industriekultur-Denke ausgerichtet - Anpassung und Gehorsam.
Es drückt damit ein altes Autoritätsverständnis aus, was sich am besten mit Autokratie, in eher alten Familienunternehmen auch mit Patriarchalismus, manchmal sogar mit Paternalismus beschreiben lässt. 
Damit Selbstorganisation entstehen kann, braucht es Führungskräfte, die ihre Macht verteilen und Mitarbeitende, die damit umgehen wollen als auch können. 

Agile Führung geht einfach so?

Können Führungskräfte agile Führung, also u.a. die Organisation von Selbstorganisation, einfach so, weil es jetzt "in" ist? Weil jetzt Techniken und Tools von agilem Projektmanagement, z. B. auf Linienorganisationen übertragen werden? Weil man ein Buch liest oder eine Konferenz besucht? Weil die "Demokratisierung" von Unternehmen voranschreitet? 

Fast immer, so meine Erfahrung, kommt es zu einen einem Verlust von Autorität, wenn Führungskräfte  

  • weiterhin (unbewusst) eine autoritäre Haltung haben, sich aber kooperativ verhalten
  • tatsächlich eine kooperative Haltung auf gleicher Augenhöhe mit Mitarbeitenden leben wollen, aber sie sich durch systembedingte Kontrollstrukturen (z. B. individualisierte, monetäre Anreizsysteme, normierte Mitarbeiterbeurteilungen, rigide angewendete Qualitätsmanagementsysteme, ...) zu autoritären Handlungen gezwungen sehen
  • sich in einer auf Konkurrenz getrimmten Führungskultur zu autoritärem Verhalten verführen lassen, da sie sonst die Zugehörigkeit zur Führungsclique „der harten Hunde“ verlieren 

Die alte Haltung zu Autorität aus der Industriekultur ist das Gegenteil von Selbstorganisation, das Gegenteil von agiler Führung.
Sie drückt sich am besten mit den Worten Intransparenz, Kontrolle, Misstrauen, Distanz, Eskalation, Willkür oder auch Vergeltung aus. 

Agile Führung bedeutet einen Wandel in der Haltung zu Autorität 

Für agile Führung braucht es daher zunächst erst einmal in einer Führungskraft einen Wandel in der Haltung zu Autorität. Hin zu einer Neuen Autorität, die auf Nahbarkeit, Vernetzung, Beharrlichkeit, Transparenz, Wiedergutmachung oder auch Deeskalation baut. 
Erst aus einer veränderten Haltung folgt glaubwürdiges Führungsverhalten, was wiederum zu Neuer Autorität führt. Und diese neue Autoritätshaltung führt zu Berechenbarkeit und Sicherheit.
Die Bedingung für eine neue Verteilung und Gestaltung von Macht. Die Basis also von erfolgreicher Selbstorganisation, ohne schalen Beigeschmack.

Wahre Führung gelingt nur mit Autorität. Und zwar mit einer Autorität, die nicht durch eine Funktion oder einen Titel verliehen wird oder kooperativ verpackt ist, im Kern jedoch weiterhin autoritär daher kommt. 
Wahre Autorität entsteht nur durch Beziehung. 
Es gilt den entstandenen und immer noch wirksamen Schatten abzulegen, der durch die Industriekultur und den fatalen Autoritätsmissbrauch in Deutschland entstanden ist. Es braucht dringend eine neue Haltung zu Autorität in der Führung. Diese neue Form der Autorität unterscheidet sich fundamental von der alten. Diesem Wandel wird sich jede Führungskraft mehr oder weniger stellen müssen, wenn sie in Zukunft noch wirksam sein will. 

Autor: FHBH

Schlagwörter: agile Führung, Führungsautorität, Neue Autorität, Selbstorganisation